Literatur & Presse| SachRoman | Rezension

 
   

Viel Theater um Veränderungen

 

Die Rosenstahl Akustik GmbH ist in Nöten. Absatzrückgang und Preisverfall lassen den Umsatz bedenklich sinken. Höchste Zeit, etwas zu unternehmen. Abteilungen wie EDV, Marketing, Schulung und Unternehmenssicherheit sollen nun ausgegliedert werden, Hierarchieebenen aufgelöst und crossfunktionale Teams gebildet werden. Zudem soll der Vertrieb komplett umstrukturiert werden. Wie aber soll die Unternehmensleitung diese Veränderungen der Belegschaft vermitteln, wie die Mitarbeiter beteiligen und mit ins Boot holen?


Diese Fragen stehen am Anfang des Sachromans "Unternehmenstheater in der Praxis: Veränderungsprozesse mit Theater gestalten". In ihm trifft das fiktive Unternehmen Rosenstahl Akustik mit seinen Mitarbeitern, Personalentwicklern und Geschäftsführern auf reale Trainer der Unternehmenstheater-Szene. Diese geben Einblick in die Spielarten der Theaterinstrumente: Stets in die Romanhandlung eingebettet lassen sie den Leser den Verlauf der Theatertrainings miterleben.


So nimmt sich Fritz Letsch von Visions Theater® München die Vertriebler von Rosenstahl Akustik vor. In szenischer Form sollen sie ihre Veränderungskompetenz schulen. Zu diesem Zweck inszeniert Letsch eine Abteilungskonferenz der besonderen Art. Alle Mitarbeiter dürfen die Besprechung nämlich durch Zwischenrufe wie "Das neue Call Center bedenken !"etc. stören. Was die Übung zeigt: Neue Strukturen erfordern schnelles Umdenken und Mut zur Improvisation.


Emil Herzog indes, ein Unternehmenstheater-Trainer aus der Schweiz, zeigt den Nutzen von Kabarett-Aufführungen. Überspitzt ahmt er das Verhalten des Betriebsrats der Rosenstahl Akustik vor: viel Gerede, wenig Ergebnis. Die Zuschauer, allesamt Mitglieder des Betriebsrats, erkennen sich wieder - sie lamentieren, aber handeln nicht. Sie sind allerdings nicht empört, im Gegenteil: Das Kabarett bringt sie zum Lachen und öffnet sie für den folgenden Workshop, in dem ihre Ideen für die Umstrukturierung gefragt sind.


Insgesamt ein Dutzend Trainer beschreiben in Fallbeispielen, wie sie die Rosenstahler dazu bringen wollen, sich den Veränderungen in stellen. Der Leser lernt dabei sowohl den liebenswerten Theaterbeauftragten Claude als auch die auf Karriere bedachte Leiterin der Finanzen, Dr. Elke Russ, oder den Personalentwickler Ralf Manik kennen. Immer wieder tauchen Mitarbeiter aus verschiedenen Hierarchieebenen im Verlauf des Buches auf; mit der Zeit ergibt sich ein lebendiges Bild ihrer Persönlichkeit.


Die amüsante Rosenstahl-Geschichte, die vielen Autoren und damit die Bandbreite der vorgestellten Instrumente machen das Buch zu einer kurzweiligen und gleichzeitig nützlichen Lektüre. Da darf ein Happy End natürlich nicht fehlen: So führen die Trainings schließlich dazu, dass die Mitarbeiter die Veränderungen mittragen. Das Vorschlagswesen wird kultiviert, eine neue Unternehmenskultur entsteht mit der Erkenntnis: Veränderung gehört einfach zum Unternehmen.


Aus: Managerseminare Heft 47/März 2001

 

 
 
  Kommunikation - Innovation - Konfliktlösung  

 

 

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